An Author’s Nightmare: Top 5

Jeder kennt das. Man hat eine super Idee für eine Geschichte oder ein Buch – und dann scheitert sie. Oft an ganz banalen Dingen. Da vergisst man zum Beispiel, nach vier Stunden intensivsten Schreibens abzuspeichern und plötzlich stürzt der Computer ab. Oder man weiß schlicht und einfach nicht, wie man jetzt von Szene A zu Szene B kommt.

Ich habe für euch einmal eine (unsortierte) Liste mit meinen schlimmsten Schreiberlebnissen und meinen Lösungen dafür zusammengestellt. Vielleicht hatte der eine oder die andere ja schon mal das selbe Problem und kann sich hier wiederfinden.

1. Das Abspeicherversäumnis

Der Klassiker. Jeder kennt es, jedem von uns ist das schon einmal passiert. Egal ob bei einer Hausarbeit für die Uni, oder einem Kapitel für den neuen Roman, da vergisst man einmal (nach mehreren Stunden langer, harter Arbeit) zu speichern und plötzlich erscheint die gefürchtete Meldung auf dem Bildschirm: „Keine Rückmeldung“ steht in Klammern hinter dem Dokumententitel ganz oben in der Leiste. Dann klickt man ein, zwei Mal fanatisch auf das Dokument (es muss doch funktionieren), und das Programm zeigt nur noch alles verblasst an, wie durch einen dichten Nebel aus Panik und Angstschweiß im Angesicht des verlorenen Texts. Einzig der Schließungsbutton leuchtet nach wie vor in strahlendem Rot, wie eine Nebelleuchte, und scheint dich zu verhöhnen. Er weiß: wenn du ihn drückst, ist alles vorbei. Stunden an Arbeit sind dahin.

Es ist wahrscheinlich einer der frustrierensten Dinge, die einem Autoren (oder generell jedem, wie viele Künstler kenne ich, die bei Photoshop oder inDesign vergessen haben, ihr Projekt abzuspeichern) passieren können. Es ist schließlich nicht nur der eigentliche Text, oft sind es auch Dinge wie Formatierung, Fußnoten und Verlinkungen, die bei so einem Absturz flöten gehen. Ich habe irgendwann jedoch gelernt, dass es (jedenfalls bei nicht-wissenschaftlichen Texten) oftmals gar nicht so schlimm ist, nochmal neu anzufangen. Der Dialog zwischen meinen Charakteren, der noch nicht ganz rund lief? Jetzt habe ich die Chance, ihn so zu schreiben, wie ich es ursprünglich wollte, aber einfach nicht konnte. Die eine Szene, die sich irgendwie noch nicht stimmig anfühlte? Ich kann komplett neu anfangen und sie verbessern.

Alternativ kann man natürlich auch das automatisch abgespeicherte Dokument nach erneutem Öffnen des Programms wieder aufrufen, aber das ist ja langweilig.

(Wer jedoch wirklich dringend an sein altes, nicht abgespeichertes Dokument herankommen will, sollte Word öffnen, auf „Datei > Info > Versionen verwalten > ungespeicherte Versionen wiederherstellen“ gehen, woraufhin die Datei erscheinen sollte. Funktioniert nur kurz nach Schließen des ungespeicherten Dokuments)

2. Die Schreibblockade 

Noch so ein Klassiker. Man sitzt vorm Computer, das Dokument geöffnet, die Finger auf der Tastatur. Man ist gespannt, erwartungsvoll und voller Tatendrang, bereit, neue Abenteuer zu bestehen. Und dann – Nichts. Gähnende Leere. Tabula rasa. Im Hintergrund nur das Ticken der Uhr, stetig, langsam. Eine immer lauter werdende Warnung, dass die Deadline näher rückt.

Was tun? Antwort: Nichts. Nichts, was mit Schreiben zu tun hat, jedenfalls. Wenn mir so etwas passiert, gibt es zwei Gründe: Entweder habe ich zu lange am Computer gesessen und geschrieben und mein Gehirn verlangt es nach einer kreativen Auszeit (die ich ihm jetzt auch dringend geben werde, indem ich mich eine Zeit lang mit ganz anderen Dingen beschäftige) – oder ich bin mit meiner Handlung in einer Sackgasse gelandet und die Story geht nicht mehr weiter.

In diesem Fall habe ich nur eine Möglichkeit: Umschreiben. Was sich nicht richtig anfühlt, muss weg. Ein Charakter, der mir nur auf die Nerven geht, weil er nicht ins Setting passt, in dem er auftritt, muss vielleicht an einer anderen Stelle auftauchen, damit er zu einer Sympathiefigur wird. Manchmal sind Szenen auch einfach langweilig oder Handlungsstränge überflüssig. Ja, es tut weh, so etwas zu streichen, vor allem, da oft die Szenen, die wir eigentlich ziemlich cool fanden, diejenigen sind, die wir streichen müssen, weil sie doof sind.

(Kleiner Tipp: Einfach die gestrichenen Szenen in einem separaten Dokument speichern. Vielleicht können sie ja in einem Sequel verwendet werden?)

3. Die Zusammenhangslosigkeit

Ich bin ehrlich. Ich bin ein wahnsinnig fauler Schreiber. Ich schreibe am liebsten nur die Szenen, die ich schon vorm Plotten beim Erfinden der Geschichte im Kopf hatte. Alles andere kann sich doch gerne von selbst schreiben.

Das führt natürlich dazu, dass ich auf meinem Computer eine Unzahl an Geschichten habe, die einen Anfang haben, vielleicht ein oder zwei Szenen aus dem Mittelteil, und keinen Schluss. Und selbst die Szenen, die ich geschrieben habe, gehen mehr oder weniger ohne große Vorreden direkt auf die Haupthandlung ein. Weil mich das Drumherum nicht interessiert. Ich lese es zwar gerne – aber es zu schreiben ist mir ein Gräul. Weshalb ich wahrscheinlich nie Bücher mit 500+ Seiten schreiben werde …

Das einzige, was mir bei diesem Problem geholfen hat, ist gusseiserne Disziplin. Wenn ich schreibe, fange ich vorne an, arbeite mich zum Mittelteil vor und kämpfe mich dann zum Schluss durch. Unter keinen Umständen schreibe ich eine Szene, die mitten im Buch stattfindet, bevor ich an genau den Punkt komme. Stattdessen mache ich mir Randbemerkungen, fülle Notizbuch um Notizbuch mit Ideen und Kommentaren und halte durch! Selbst die unspannenste Szene muss geschrieben werden, und ich bin der Einzige, der das kann. Niemand sonst wird das übernehmen. Leider.

4. Die Sackgasse

Irgendwann komme ich immer an den Punkt: A oder B? Bringe ich meinen Charakter so um oder so? Ist mein Plot so stimmig? Was mache ich eigentlich hier? Ganz schnell hat man sich in eine mittlere Existenzkrise hineingesteigert und in solchen Fällen bin ich nicht selten kurz davor, einfach alles hinzuschmeißen und es sein zu lassen mit dem Schreiben.

Halt, stop. So schlimm ist es nie. Klar, momentan sieht es so aus, als würde man das nie schaffen, aber man schafft das. Versprochen!

Wenn ich beispielsweise Probleme mit dem Plot habe, ich nicht weiß, was als nächstes kommen soll, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder frage ich meinen Lektor – oder ich recherchiere selbst. Da die wenigsten von euch wahrscheinlich einen Lektor haben, stelle ich euch einfach mal die zweite Variante vor.

Ich will also wissen, was mein Charakter als nächstes machen soll, habe aber keine Ahnung, wie es weitergeht. Für diese Fälle habe ich das Buch „The Seven Basic Plots – Why We Write Stories“ von Christopher Booker (ich kenne es nur auf Englisch, ich weiß nicht, ob es auch eine deutsche Übersetzung gibt). Das 700 Seiten lange Werk behandelt nicht nur tiefgehend die klassischen sieben Grundplots, die sich in der Literatur der Antike wie Neuzeit wiederfinden, sondern führt viele anschauliche Beispiele aus berühmten Werken an, darunter auch welche, die eine Mischung verschiedener Grundplots sind und sich unterschiedlichen Handlungselementen bedienen. Da ich in der Regel weiß, welchem der sieben Grundplots meine Handlung folgt, kann ich dann im entsprechenden Kapitel nachlesen, an welcher Stelle des Plots sich meine Handlung befindet und was jetzt eigentlich passieren müsste.

Wenn das nicht hilft, weil ich zwar weiß, was plottechnisch nun kommen müsste, aber noch immer keine Ahnung habe, was das ist, was da passiert, hilft es mir oft, mich von anderen Autoren inspirieren zu lassen. Dann überlege ich: Was passiert nochmal bei JK Rowling an dieser Stelle? Was machen Eoin Colfer oder Rick Riordan in diesen Momenten? Manchmal reicht das schon aus, die eigene Fantasie ein wenig anzukurbeln. Und selbst wenn ich vorübergehend deren Idee „borge“, stelle ich jedoch meist kurz darauf fest, was ich aus dem Geborgten machen kann, damit es in meine Story passt.

Und wenn es dann immer noch nicht klappt? Wenn meine Charaktere immer noch nicht kooperieren, sich die Handlung steif und ungelenk anfühlt und die Charaktere blass sind?

Da habe ich eigentlich nur einen Tipp. Lasst eurem Charakter und eurer Handlung einfach mal Spielraum. Klar, es ist super, alles durchzuplotten und genau zu wissen, was wann wem passiert – aber Charaktere haben ihren eigenen Willen und wissen oft besser als der Autor darüber Bescheid, was die Story vorantreibt und was nicht. Mein bester Bösewicht ist entstanden, indem ich einfach nur geschrieben habe, ohne einen Plan, was genau gerade passiert. Und wer weiß, vielleicht überrascht ihr euch selbst mit dem, was ihr beim freien Schreiben verfasst.

5. Der Perfektionismus

Ich bin Perfektionist. Ich kann nicht anders. Alles Geschriebene muss absolut perfekt sein, oder ich bin unzufrieden. Oder ich rede mir das zumindest ein. Meinst resultiert der Perfektionismus aus der Sackgasse und ist eine fortgeschrittene Version derer. Sackgasse 2.0, wenn man so will. Wenn ich einen Satz finde, der sich in meinen Ohren noch nicht ganz rund anhört, feile ich so lange an ihm herum, bis er gut ist. Wenn eine Szene nicht ganz so abläuft, wie ich es mir gedacht hatte, dann muss ich sie bearbeiten. Dann ist das wie mit dem Tannenbaum, dessen unterste Zweige immer weiter abgeschnitten werden, weil sie nicht gerade sind. Am Ende bleibt nur eine verkrüppelte Version des ursprünglichen Baumes zurück, der keine Äste mehr hat. Ähnlich ist es mit dem Perfektionieren. Es ist zwar gut und richtig, das Beste aus dem eigenen Text herauszuholen, aber dabei muss man dennoch wissen, wann man aufhören muss, um der Geschichte nicht zu schaden. Oft sind es die Dinge, die einem selber nicht so gefallen, die den Charme des Buchs ausmachen. Außerdem könnt ihr noch so viel an eurem Schreibstil, an der Handlung und an den Charakteren herumfeilen, in 20 Jahren findet ihr das Buch so oder so furchtbar und wollt am liebsten alles nochmal neu schreiben. Also spart euch die Mühe, alles perfekt haben zu wollen. Es geht nicht. Euch wird immer etwas auffallen, dass euch stört und das anders besser gewesen wäre. Vielleicht mag das ja sein, aber wäre dann die Geschichte immer noch die, die ihr ursprünglich erzählen wolltet?

Perfektionismus ist durchaus gut, in wohldosierten Maßen und an den richtigen Stellen. Es ist natürlich Quatsch, direkt beim ersten Entwurf alles perfekt machen zu wollen und sich an jeder Szene aufzuhalten, nur um einen Satz aufzupolieren. Da kommt man nicht in den Schreibfluss und im schlimmsten Fall behindert man sich selbst. Ich erlaube meinem Perfektionismus erst (oder versuche es zumindest) so richtig aktiv zu werden, wenn ich komplett fertig bin. Vorher darf ich mir nichts sonst anschauen und durchlesen, als die Szene, an der ich gerade schreibe. Klar, wenn ich nicht sicher bin, ob ich mit einer vor zwei Wochen geschriebenen Szene konsistent bin, darf ich natürlich nochmal hochscrollen und mir den relevanten Abschnitt anschauen. Aber nur den.

Und wenn es dann soweit ist, wenn ich mit dem ersten Entwurf durch bin, dann bleibt dieser Entwurf erstmal für mindestens eine Woche ungeöffnet in seinem Ordner. Dann lasse ich die Geschichte erstmal sacken, distanziere mich davon, bekomme den Kopf frei. So verhindere ich, dass ich Stellen, die eigentlich gut sind, streiche und irgendwelche dummen Änderungen vornehme, die gar nicht nötig sind. Ich bekomme so einen frischen Blick auf die Story. Und nach dem ersten Überarbeiten mache ich wieder eine Pause. Vielleicht stelle ich beim zweiten Überarbeiten dann ja fest, dass der erste Entwurf doch besser war.

Und erst, wenn ich mit der Handlung zufrieden bin (was eigentlich nie lange anhält, wenn überhaupt – der Fluch eines jeden Autors), kann ich mich auf die ganzen Sätze und Formulierungen stürzen, mit denen ich noch nicht zufrieden bin und meinem inneren Perfektionisten freie Bahn lassen.

Es gibt natürlich noch viel mehr, was einem beim Schreiben an schlimmen Dingen passieren kann, weit mehr, als was ich hier aufliste. Vielleicht schreibe ich irgendwann noch einen zweiten Beitrag über weitere ‚Author’s Nightmares‘.

Vorausgesetzt, ich bekomme keine Schreibblockade …


Hier geht es weiter mit:
„An Author’s Other Nightmare: Top 5“

2 Gedanken zu “An Author’s Nightmare: Top 5

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s