An Author’s Other Nightmare: Top 5

In meinem Beitrag vom 9.1. habe ich euch schon einige meiner Top-5-Schreibalbträume vorgestellt. Klassiker, wie die Schreibblockade oder das Ungespeicherte Abgestürzte Dokument waren nur zwei der dort erwähnten kleinen, aber feinen Albtraumgestalten, die einem Autoren so begegnen können.

Heute möchte ich euch fünf weitere solcher Horrorszenarien vorstellen, die vielleicht der ein oder andere von euch auch schon mal erlebt hat.

1. Der Albtraum von den verlegten Unterlagen

Da hat man nun stundenlang, vielleicht tage- und sogar wochenlang recherchiert. Man hat sich in mühsamster Kleinstarbeit alles aufgeschrieben, mit allen anderen Notizen gearbeitet, außer mit dieser einen. Der Unnötigen. Der, die man zwar sicherheitshalber mit aufgeschrieben hat, aber eigentlich doch nicht braucht. Alternativ der, die man vor Jahren mal aus Jux geschrieben aber nie benötigt hatte. Und dann kommt die eine Szene. Die eine Textpassage, wo man weiß: „Ich hab da was zu!“ Die Euphorie ist groß, endlich kann man das unnütze Wissen verwenden, das man sich irgendwann einmal notiert hat. Man weiß, dass es irgendwo abgespeichert ist. Irgendwo ein (oder vielleicht sogar mehrere) Zettel herumliegt, wo alles draufsteht, was man braucht.

Und dann? Dann findet man es nicht. Es ist verschwunden. Futsch. Weg. Verloren!

Das ist mittlerweile auch einer der Gründe, weshalb ich (bis nicht mindestens zwei Jahre nach Veröffentlichung des Buchs oder Abgabe der Arbeit vergangen sind), nichts an meinen Notizdokumenten und alten Versionen vom Computer lösche, sondern alles in mehrern Ordnern abgespeichert habe. Oder alles nur in meinem Notizbuch, das zu dem jeweiligen Buch gehört, an dem ich arbeite, festhalte. Damit ich wenigstens alles zusammen habe und nichts von meinen alten, verworfenen Ideen verloren geht, die man ja vielleicht in späteren Werken einbauen kann.

Finde ich trotzdem alles wieder? Natürlich nicht.

2. Der Albtraum vom gestohlenen Titel

Das ist mir leider passiert. Ich hatte mir seit den ziemlichen Anfängen meiner Arbeit an der „Enzyklopädie“ die Untertitel der einzelnen Bände überlegt, und für mich standen die auch so fest. Bis ich dann beim googlen meiner Untertitel auf andere Bücher stieß, die entweder schon genau so hießen, oder zu ähnlich, um eindeutig unterscheidbar zu sein. Zudem musste ich feststellen, dass der ursprüngliche Titel meiner Reihe (es war nämlich nicht immer „Enzyklopädie der Wächter„) ebenfalls schon vergeben war und ich auch hier auf Titelsuche gehen musste. Der Denkprozess, der in eine solche Neufindung geht, ist unglaublich. Schließlich hatte ich mich schon so an meinen Titel und meine Untertitel gewöhnt, dass es mir fast unmöglich erschien, Alternativen zu akzeptieren. Was erlaubten sich eigentlich diese anderen Autoren, mir meine Titel zu stehlen? Aber natürlich konnte ich, schon allein aus rechtlichen Gründen, nicht bei den ursprünglichen Titeln bleiben, also musste ich wohl oder übel was Neues finden. Was mir ja dann auch gottseidank gelang …

In jedem Fall kann ich euch allen nur empfehlen: Macht euch schlau, bevor ihr euch auf einen Namen für euer Werk einschießt, ob euch nicht vielleicht doch schon ein anderer zuvorgekommen ist, und habt immer einige Alternativen parat, falls ihr kurz vor Abgabe- oder Publikationsdatum doch nich feststellen solltet, dass euer Titel bereit vergeben ist. Meist genügt dafür Google vollkommen, aber im Zweifelsfalle immer nochmal im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) nachgucken.

3. Der Mangelnde-Motivations-Albtraum

Jeder von euch kennt das bestimmt. Da ist zum Beispiel die zehnseitige Hausarbeit über Bilabiale Palatalisierung in Tswana, die in vier Wochen fällig ist. Oder man muss für eine Klausur lernen, die in genau sieben Tagen ist – aber man hat einfach keinen Bock. Zu nichts.

Okay, vielleicht zum Seriensuchten auf Netflix oder Computerspielen (Sims ist da so ein herrliches Mittel, die Zeit totzuschlagen und sich vor dem Lernen zu drücken). Aber zu sonstigen Sachen wirklich nicht.

Dieser Mangelnde-Motivations-Albtraum ist auf gewisse Weise das genaue Gegenteil des Albtraums von der Schreibblockade, den ich im letzten Artikel behandle. Während bei der Schreibblockade der Wille und die Motivation da ist, sich hinzusetzen und zu arbeiten, fehlen genau diese Dinge bei der Mangelnden Motivation. Dafür ist in letzterem die Kreativität theoretisch voll da und wird nur einfach nicht gebraucht, während ersterer eben diese Kreativität fehlt.

So richtig schlimm wird es erst, wenn Mangelnde Motivation zusammen mit der Schreibblockade auftritt, weil man sich dann langsam aber stetig zu einem kleinen Ball aus Selbstverachtung und Lebensunwillen zusammenrollt und da ohne fremde Hilfe nur selten wieder rauskommt. Aber bevor es soweit kommen muss, habe ich euch hier meine fünf Tipps aufgeschrieben, mit denen ich die Mangelnde Motivation in den Griff bekomme, damit sie mich nicht mehr so oft heimsucht:

  1. Das Internet ausschalten, damit es einen nicht mehr ablenken kann.
  2. Sich an den Computer setzen und das Schreibprogramm öffnen
  3. Eine Tasse Tee/ein Glas Wein/einen Kaffee zubereiten oder einfach ein Glas Wasser an den Computer stellen, je nachdem, was einem am besten beim Schreiben oder Lernen hilft.
  4. Fürs Schreiben eine Mindest-Seitenanzahl festlegen (vielleicht ein oder zwei DIN A4 Seiten, nicht zu viel, sonst wird man wieder unmotiviert), oder fürs Lernen eine Uhr stellen, bis wann man lernen wird (je nach Thema zunächst zwischen 15 und 30 Minuten)
  5. Sich mit etwas Kleinem belohnen (z.B. einer weiteren Folge dieser coolen neuen Serie, die man gerade guckt oder einer Portion Schokoladeneis mit Sahne)

Denn, wie jeder mit der Mangelnden Motivation Geplagte nur zu gut weiß: wenn mans zu lange aufschiebt, gerät man nur unnötig in Stress, und das will keiner …

4. Der Albtraum von den Informationslücken

Recherchieren kann durchaus Spaß machen, ganz besonders, wenn es ein Thema ist, dass einen interessiert und über das man gerne mehr erfahren will. Schwierig wird es dann nur, wenn man sich für Dinge interessiert, die eigentlich sonst keinen interessieren und man dementsprechend dazu nichts findet. Und wenn, dann nur als Fachliteratur für Unsummen, die kein Mensch zur Verfügung hat. Bei meiner BA ist mir das viel zu oft passiert, aber was kann man schon erwarten, wenn man eine Sprache erfinden möchte, die gegen sämtliche linguistischen Grundregeln und -annahmen verstoßen soll und die die ungewöhnlichsten sprachlichen Features aufweist. Wie oft war ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil ich nichts fand, was mir weiterhalf zu erklären, warum in dieser Sprache Merkmale X, Y und Z sich auf diese Weise verhalten, Merkmal A aber auf jene? Oder wenn ich versuchte rauszufinden, ob es irgendeine Sprache gibt, die komplett ohne die Merkmale X,Y,Z und A auskommt. Nahezu unmöglich und ohne die Hilfe meiner Profs, die sich meine existenzkrisenerzeugenden Grammatikprobleme eine Woche vor Abgabe nochmal ansahen und mir dann erklärten, was ich zu tun hatte.

Mein Fazit, das ich aus dieser Hölle eines Albtraums mitgenommen habe, ist: Wenn eigene Recherche nicht weiterhilft, sollte man diejenigen fragen, die klüger sind als man selbst. Das gilt für das Verfassen von wissenschaftlichen Texten ebenso wie für Romane. Oder anders gesagt: Es ist nie zu spät, sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe braucht.

5. Der Logikfehler-Albtraum

Abschließend möchte ich euch noch einen letzten alten Bekannten vorstellen, bei dem es mir immer eiskalt den Rücken runterläuft, wenn ich nur an ihn denke: den Logikfehler.

Auch wie die anderen vier Albträume für jeden, der Texte verfasst, relevant und den meisten auch bekannt, nehme ich an. Es beginnt meist immer ganz harmlos. Der Text ist von zahlreichen fachlich wie nicht fachlich kompetenten Testlesern auf die verschiedensten Arten und Weisen geprüft, korrigiert, verbessert und aufpoliert worden. Jeder Fehler, der entdeckt wurde, ist ausgemerzt und behoben worden. Guten Gewissens legt man sich schließlich, nach einer langen Nacht, ins Bett, in dem Wissen, morgen beruhigt die Arbeit einreichen/veröffentlichen zu können. Nichts plagt einen mehr, kein schlechtes Gewissen nagt an einem und lässt einen in Gedanken an den immer näherrückenden Abgabetermin kein Auge zutun.

Man händigt also die Arbeit beim Prof ein, lässt die BA oder MA ordentlich und vorschriftsgemäß binden, oder schickt das Dokument an den Verlag. Man denkt nicht mehr wirklich dran, bis eines Tages dann etwas passiert, was einen irgendetwas in der Arbeit/dem Buch nachschauen lässt. Zum Beispiel, weil man die Augenfarbe eines Charakters vergessen hat. Und da fällt er einem auf: der Logikfehler. Dick und fett hock er im Text und lacht dich aus. Macht dich so richtig fertig. Denn statt der üblichen blauen Augen hat der Charakter hier plötzlich braune. Oder man hat in seiner wissenschaftlichen Arbeit eine Tabelle entdeckt, die den Informationen im Fließtext widerspricht. Und dann hat man den Salat.

Wenn euer Buch als eBook erscheint, ist das ja nicht weiter schlimm, und man kann die falschen Stellen getrost korrigieren. Bei Hausarbeiten und ähnlichem (sowie bei Printausgaben) sieht das alles ganz anders aus. Dann hat man den Salat – und das Schlimmste: Es gibt nichts, was man dagegen noch tun kann.

Aber hey, sowas kommt bei jedem vor. Und außerdem – so ein kleiner Logikfehler macht einen doch auch irgendwie menschlich.


Hier geht es weiter mit:
„Charaktere sind wie Katzen (Author’s Nightmare)

2 Gedanken zu “An Author’s Other Nightmare: Top 5

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