5 Charaktere, die jedem Autoren irgendwann begegnen

Wer glaubt, dass ein Autor immer alles im Griff hat und seine Charaktere immer unter Kontrolle, hat vermutlich noch nie ein Buch geschrieben. Oder aber ist in Geheimnisse eingeweiht, die uns Kleinautoren unbekannt sind.

Charaktere sind, wenn sie kooperieren, großartig. Man kann sie seinen eigenen Vorstellung anpassen, sie tun und lassen, was man geplant hat, und sind rundum Teil der Geschichte und es läuft alles, wie man es wollte.

Aber eben nur wenn. 

Im alltäglichen Leben eines gewöhnlichen Autors ist das tatsächlich eher ein Luxus. Charaktere wollen eigentlich nie wirklich so, und wenn, dann doch lieber anders, und so landet man am Ende mit seiner Story irgendwo da, wo Plot und Logik schon längst keinen Fuß mehr fassen können.

Wer von euch jetzt sagt: „Meinst du nicht, dass du ein bisschen übertreibst?“ Oder: „Also, das kann ich mir jetzt nun wirklich nicht vorstellen“, den würde ich bitten, sich selbst mal an einer Story zu versuchen und eine eigene Geschichte zu erfinden. Wir sprechen uns später nochmal …

Beim Schreiben passieren nämlich die faszinierensten Dinge (Sarkasmus) und es begegnen einem über kurz oder lang einige sehr interessante Charaktere.

Daher ohne große Umschweife hier eine Liste der fünf Arten von Charakteren, die einem als Autor irgendwann über den Weg laufen. Ob man will, oder nicht …

1. Der Überraschungsgast

Er sollte gar nicht hier sein. Er war niemals vorgesehen. Die ganze Story ist ohne ihn geplottet. Und doch ist er plötzlich da. Hat einen Namen. Hat eine Identität. Und will resolut nicht aus der Story rausgeschrieben werden.

Der Überraschungsgast hat seinen eigenen Willen, den er auch zu jeder Zeit durchsetzen will. Er interessiert sich nicht für unwichtige Dinge wie Plot oder Handlungsstruktur oder die Tatsache, dass er alles durcheinanderbringt. Nein, er ist mit sich und der Welt vollkommen zufrieden und denkt nicht im Traum daran, sich eine eigene Story zu suchen. Eine andere. Eine, in die er vielleicht besser reinpasst. Nein, er ist jetzt hier. Es gibt schließlich kostenloses Essen und Spaß garantiert. Naja, zumindest für ihn. Dass wir arme Autoren jetzt plötzlich die ganze, monatelange Planung unserer Story seinetwegen umwerfen müssen, interessiert ihn herzlich wenig.

2. Der Besserwisser

Was den Besserwisser kennzeichnet, ist sein konstantes Herumnörgeln. Ob Plot, Dialoge, oder die anderen Charaktere – der Besserwisser hat an allem etwas auszusetzen. Er weigert sich stur, den Richtlinien des Plots zu folgen und versucht an jeder Stelle, aus dem Ganzen auszubrechen. Er versucht vielleicht, sich in Stellen einzuschreiben, in denen er gar nicht ist, weil ihm „langweilig“ ist oder er findet, dass die Handlung „einschläfernd/schlecht/unsinnig/dumm/…“ ist. Nur unter Protest lässt er die Dinge mit sich machen, die der Plot für ihn vorgesehen hat. Man sollte ihn allerdings unter keinen Umständen gewähren lassen, alles nach seinen eigenen Vorstellungen umzugestalten, weil das in der Regel in einer ganzen Horde an Überraschungsgästen resultiert. Und das will keiner.

3. Der Passive

Jede Story hat diesen einen Charakter, der nichts macht. Nichts. Absolut gar nichts. Der nur irgendwie überall mithingezerrt wird, kaum was sagt und noch weniger macht. Meistens vergisst man ihn beim Schreiben sowieso. Dieser Charakter will nicht hier sein und zeigt es auch, indem er sich unsichtbar macht. Die einzige Möglichkeit, mit ihm fertig zu werden, ist, ihm seinen Wunsch zu erfüllen und ihn rauszustreichen. Komplett. Ja, das ist schmerzhaft, vor allem, wenn man den Charakter eigentlich ja doch ganz gerne mag – aber vielleicht passt er in eine andere Story viel besser und wäre dort auch viel glücklicher. Rausgestrichen ist nicht gleich tot – wenn seine Zeit gekommen ist, wird er sich melden.

4. Der Nicht-ans-Charakterprofil-Halter

Jeder Charakter im Buch hat eine Persönlichkeit. Ein Image. Etwas, das ihn individuell macht und von den anderen Charakteren abhebt. Man verbringt eine geraume Weile damit zu, die Charaktere so individuell wie möglich zu gestalten, ihnen Persönlichkeit zu geben und sie von den anderen abzuheben. Man hat einfach ein ganz bestimmtes Bild von ihnen. Und dann gibt es welche, die sich plötzlich nicht mehr daran halten.

Da hat man einen Charakter, dessen Profil ihn in etwa als „26, blond, grüne Augen, gütig, humorvoll und gebildet“ beschreibt. Aber irgendwie verhält und gibt er sich die ganze Zeit wie „76, grau, grüne Augen, väterlich, gebildet und weise“. Das irritiert und passt in 90% der Fälle nicht in den Kram. War da nicht noch eine Liesgeschichte geplant mit „24, rothaarig, blaue Augen, charmant, klug und zuvorkommend“? Die kann man jetzt knicken …

Aber bleibt einem etwas anderes übrig, als das Charakterprofil zu ändern? Nein. Denn am Ende würde ihm eh niemand abkaufen, so zu sein, wie er ursprünglich geplant war …

5. Der Undurchschaubare

Ob Überraschungsgast oder fester Bestandteil des Casts: Aus diesem Charakter wird man nicht schlau. Er hat etwas an sich, der einem die ganze Zeit das Gefühl gibt, nichts zu wissen. Wie sagt der Philosoph (und der Autor …)? „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Der Undurchschaubare ist eigentlich ziemlich folgsam. Er taucht auf, wenn es im Plot so steht, er unterhält sich mit den Charakteren, mit denen er sich unterhalten soll, und macht nichts, was man nicht eigentlich auch so vorgesehen hat.

Eigentlich.

Wären da nicht diese ganzen kryptischen Kommentare und Blicke, die er den anderen Charakteren zuwirft, als ob er etwas wüsste, was die anderen nicht wissen. Was man selber nicht mal weiß (und man ist schließlich der Autor der Geschichte und hat ein Recht, zu erfahren, was los ist!). Manchmal würde man ihn am liebsten packen und schütteln, so lange bis er die Informationen endlich preisgibt.

Wenn ein Charakter plötzlich über den Hauptcharakter sagt „Er darf niemals die ganze Wahrheit erfahren, das würde ihn vernichten“, und man eigentlich eine ziemlich harmlose, lovey-dovey Story geplant hatte, dann ist das gruselig. Wieso weißt du von Dingen, von denen ich nichts weiß? Und warum sagst du mir erst jetzt was davon?

Aber bevor der andere Charakter, mit dem sich der Undurchschaubare unterhalten hat, nachfragen und die eigene Neugier stillen kann, zieht der Undurchschaubare auch schon wieder ab, um wer weiß was zu machen.

Es ist frustrierend!


Liebe Charaktere, so lieb ich euch auch alle habe: Könnt ihr nicht einfach einmal das machen, was wir abgesprochen hatten? Ist das denn zu viel verlangt? 


Hier geht es weiter mit:
Charaktere sind wie Katzen (Author’s Nightmare)

Hier geht es weiter mit:

Pro und Con: (Aus-)Reden eines Autors

7 Gedanken zu “5 Charaktere, die jedem Autoren irgendwann begegnen

  1. Sarah Hazel schreibt:

    Hallo Eleonore,

    ich kann dir gerade nicht sagen wie recht du hast mit dem was du schreibst! Du weißt gar nicht wie recht du hast mit den 5 Punkten! Meiner Charaktere verhalten sich des Öfteren genauso. Obwohl Punkt 3 (Der Passive) ist keiner, obwohl sich der ein oder andere ab und an mal so benimmt, aber Streichen muss ich zum Glück noch keinen deswegen. Es ist schrecklich und frustrierend wie du sagst.

    Wo ich besonders schmunzeln musste war dieser Absatz von dir;

    „Da hat man einen Charakter, dessen Profil ihn in etwa als „26, blond, grüne Augen, gütig, humorvoll und gebildet“ beschreibt. Aber irgendwie verhält und gibt er sich die ganze Zeit wie „76, grau, grüne Augen, väterlich, gebildet und weise“.“

    Hier muss ich dir ganz einfach mal den Beifall des Jahrhunderts schenken! Genau dieses Problem habe ich mit einem meiner vier Hauptcharaktere. Beschrieben wird er als „jung und knackig“, benehmen tut er sich als wäre er mindestens 90 Jahre, zumindest vom „Kopf“ her. In seinem Fall vielleicht nicht ganz so schlimm, er ist ein Werwolf und knappe 250 Jahre alt (recht jung für einen Werwolf, und ich schweife schon wieder ab), aber mit seinem „alten Mann“ im inneren ist er doch das krasse Gegenteil von seinem Partner. xD

    Und super gut verstehe ich und da kann ich mich auch sehr gut hineinversetzten ist die Nummer 1, der Überraschungsgast. Geplant war er als eher kleinere Nebenrolle (sollte nur in den ersten Kapiteln präsent sein, aber irgendwie hat er sich da selbstständig gemacht und wurde zu einer recht großen und festen Nebenrolle, ohne die das ganze iiiirgenwie nicht mehr so wirklich geht.

    So, und bevor ich hier jetzt weitermache und einen halben Roman verfasse, kommt der Punkt! xD

    Wie du schon gemerkt hast, schöner Artikel, ich weiß wie es dir geht und kann mit „leiden“.

    LG, Sarah

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    • Eleonore Laubenstein schreibt:

      Hallo Sarah,
      erstmal ganz großen Dank für deine lieben Worte und dass dir der Beitrag so gut gefallen hat ❤
      Es ist immer wieder zum Haare raufen, oder? XD Da denkt man, als Autor ist man irgendwie in Kontrolle, hat Ahnung von dem, was passiert, weiß ganz genau, wie alles ablaufen soll und so weiter und so fort, keine Überraschungen ….
      Denkste!
      😂
      Ich sag immer, ein Autor ist nichts weiter als ein glorifizierter Chronist seiner eigenen Story.
      Ich wünsch dir echt alles Gute für deine Arbeit mit deinen (störrischen) Charakteren und hoffe, dass die sich wenigstens ein bisschen benehmen, vor allem dein Werwolf 😉 lass es mich wissen, wenn sie sich mal wieder unkooperativ verhalten, vielleicht lassen sie sich ja gut zureden xD
      Ansonsten: falls dir noch andere Charaktere begegnet sind, die ich nicht aufgeführt habe, gib mir gerne Bescheid, ich sammle derzeit für nen zweiten Teil 😉
      Liebe Grüße,
      Eleonore

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      • Sarah Hazel schreibt:

        Bitte gerne! 😀
        Du sagst es zum Haare raufen und zum ausrasten, wenn die Charaktere sich benehmen wie kleiner Kinder die auf kein einziges deiner Worte hören. 😛
        Haha, ja ich dachte auch immer als Autor hat man die Kontrolle, weil hey, man ist ja schließlich der, der den Stift in der Hand hält oder die Tastatur unter den Fingern hat. XD

        Oh, den Satz muss ich mir merken der gefällt mir! 😀
        Vielen lieben dank! Ja, so langsam wird’s mit dem Werwolf! Er ist der für den ich wirklich am längsten gebraucht habe und für den ich letztes Jahr nach knapp 11 Jahren endlich mal zufrieden war mit dem Aussehen und den Charaktereigenschaften, vorher war das wie bei Kartenspielen, man weiß nie was man als nächstes für eine Karte zieht. 😛
        Das lass ich dich gerne wissen! Wer weiß, vielleicht hören sie ab und an wirklich mal lieber von jemand anderem zu reden. 😀 Vielen Dank für das Angebot. ❤
        Na da bin ich ja echt schon gespannt! Falls mir noch der ein oder andere einfällt lass ich es dich wissen! 😀

        Gefällt 1 Person

      • Eleonore Laubenstein schreibt:

        😄😄
        Oha, elf Jahr sind natürlich ne ganz schöne Zeit 😅 da wirds auch mal echt Zeit, dass er kooperiert. Aber ich kenn das zur Genüge. In dem Sinne: „I feel you“ (wie der Engländer sagt).
        Gerne, gerne, ich freu mich immer, wenn ich jemandem helfen kann – ich weiß ja, wie wichtig es ist, manchmal einfach jemanden zu haben, der weiß, was los ist, wenn man rumheult, dass mal wieder kein Charakter das macht, was man will und es doch alles schlecht ist (und eh man sichs versieht, hat man eine mittlere Existenzkrise …)
        Ich freu mich auf deinen Input, falls dir noch jemand „begegnet“ 😉
        Liebe Grüße ❤

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      • Sarah Hazel schreibt:

        Haha, ja 11 Jahre das ist schon eine Menge und ich war so happy das er endlich in die Richtung wollte und auch gegangen ist, in die ich ihn schon von Anfang schubsen wollte. 😛 Aber ja, gut Ding will Weile haben oder wie man sagt, haha.

        Yes, I feel you! Dieser Satz ist immer wieder beruhigend, finde ich.

        ❤ Ja, dieses sich bei jemandem ausheulen, der weiß wie sich das anfühlt oder einfach nur Interesse zeigt tut so gut und danach geht’s einem besser (mir zumindest). Und oh Gott, ich wünschte ich könnte über den Pc irgendwie das Tränenlachende Emoji einfügen, aber stell es dir einfach vor, diese mittlere Existenzkrise, die kommt leider viel zu oft und auch manchmal viel zu schnell. Das hat mich grad so zum Lachen gebracht, ich kann dir gar nicht sagen wieso, haha.

        Gerne, ich melde mich falls ich jemanden „treffe“ 😉

        Liebe Grüße zurück 🙂

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