Conlanging – Das Lautinventar entwickeln (Teil 3: „Hart“)

Heute wollen wir uns ein wenig genauer damit auseinandersetzen, was man tun kann, um seine Sprache möglichst hart und abgehackt klingen zu lassen.

Lautinventar 3: Eine „harte“ Sprache entwickeln

Eine „harte“ Sprache wird gerne genommen für ein Volk, dass entweder von dem Leser bzw. Zuschauer als feindlich angesehen werden soll (z.B. Orkisch, Klingonisch), oder, wenn sie keine Feinde sein sollen, dann zumindest sehr abgeschottet und abweisend gegenüber Fremden sind (z.B. Khuzdul), vielleicht sogar auch aggressiv.

Sprachen, die wir als „hart“ wahrnehmen, weisen viele Verschlusslaute auf, also Laute, bei deren Bildung der Luftstrom an irgendeiner Stelle im Mund gestoppt wird – Laute, die man nicht stundenlang halten oder summen kann wie /f/ oder /m/. Da Verschlusslaute einem wortwörtlich „die Luft abschnüren“, kommen sie uns hart und vielleicht sogar „hässlich“ vor.

Aber schauen wir uns doch einfach mal an, was es für Konsonanten gibt, die für eine harte Sprache in Frage kommen.

1. Plosive /p, b, t, d, k, g/

Grundsätzlich ein guter und simpler Anfang. Jeder kann diese Laute bilden, wir kennen sie alle aus der deutschen Sprache und sie haben durch die Art, wie sie gebildet werden, einfach diesen „harten“ Klang. Tendenziell sind die stimmlosen Plosive /p, t, k/ vielleicht noch ein klein bisschen „härter“, als ihre stimmhaften Gegenstücke /b, d, g/ – aber da muss jeder selber wissen, wie hart seine Sprache sein soll.

Es gibt außer den oben genannten noch mehr Plosive: Die Retroflexe /ʈ, ɖ/, die Palatale /c, ɟ/, die Uvulare /q, ɢ/ und schließlich /ʔ/, den Glottisverschluss. Die Retroflexe habe ich nicht mit einbezogen, weil ich sie in meinem vorherigen Beitrag zu exotischen Lauten erwähnt habe und sie meiner Meinung nach nicht ganz so hart klingen wie die anderen. Ebenso die Palatale, die Sprecher des Russischen kennen werden: Sie klingen wie ein /k/ bzw. ein /g/, das man versucht, mit einem /j/ zu verbinden und gleichzeitig auszusprechen – sie sind tolle Laute, aber auch eher weich als hart. Auf die Uvulare und den Glottisverschluss komme ich weiter unten zu sprechen.

  • Sprachen, die Plosive aufweisen: So fast jede Sprache der Welt …

2. Uvulare Laute /q, ɢ, ʀ, χ, ʁ/

Viele Kunstsprachen, die hart klingen sollen, weisen Uvulare auf, daher sollten wir sie uns auch ein wenig genauer anschauen.

Die uvularen Plosive /q, ɢ/ sind /k/ und /g/ sehr ähnlich, werden aber ein Stück weiter hinten im Rachen gebildet.

Der uvulare Trill /ʀ/ ist der Laut, den man beim Gurgeln macht, also recht einfach nachzuahmen.

Die uvularen Frikative /χ, ʁ/ kommen beide in der deutschen Sprache vor: Das stimmlose /χ/ klingt ein wenig wie der „ach“-Laut /x/, nur halt etwas weiter hinten, wohingehen die stimmhafte Entsprechung /ʁ/ in den meisten deutschen Dialekten der Aussprache von „r“ entspricht (aber auch nicht überall und an jeder Stelle im Wort …).

Es gibt noch einen uvularen Nasal /ɴ/, aber da ich Nasale grundsätzlich nicht wirklich „hart“ finde, lasse ich ihn außen vor.

  • Einige Sprachen, die Uvulare aufweisen: Arabisch, Inuktituk, Französisch, Spanisch (Castellano)

3. Pharyngale /ħ, ʕ/

Zugegeben, sie sehen schon etwas komplizierter aus, aber sind eigentlich gar nicht so schlimm. Pharyngale klingen ein wenig so wie ihr harmloserer und den Sprechern des Deutschen bekannter Bruder /h/, wie in „Haus“. Allerdings, wie so bei fast allen Lauten in dieser Liste, müssen wir auch hier die Artikulation von /h/ deutlich nach hinten verlagern, sogar noch ein Stückchen weiter als die Uvulare, um den richtigen Laut zu bilden. Zieht die Zungenwurzel so weit es geht zurück in den Rachen (aber erstickt nicht dran), und dann versucht ein /h/ zu bilden. Das /ʕ/ ist die stimmhafte Entsprechung zu diesem Laut.

Bonus: Pharyngale sind extrem selten und kommen in nur sehr wenigen Sprachen vor, wenn ihr sie also für eure Kunstsprache verwendet, habt ihr automatisch den Seltenheitsfaktor. Yay!

  • Einige Sprachen, die Pharyngale aufweisen: Arabisch, Hebräisch, Sioux, Ukrainisch

4. Glottisverschluss /ʔ/

(Ja, mich verwirrt es auch, dass er dem stimmhaften Pharyngal aus 3. so ähnlich sieht …)

Obwohl wir es gar nicht wissen, produzieren wir den Glottisverschluss täglich unzählige Male. Sprecht mal das Wort „unabänderlich“ aus. „Un-ab-änderlich“ (gibt es das Wort überhaupt?). Bemerkt ihr die kurzen, knackenden Pausen an den Stellen, wo ich die Bindestriche gesetzt habe? Lustig, oder? Ihr könnt es gerne mit anderen Wörtern probieren, das Ergebnis bleibt immer das selbe: Vor jeder Silbe, die mit einem Vokal beginnt, kommt dieser Knacklaut – genannt glottaler Plosiv, Glottisschlag oder, ganz einfach, Glottisverschluss. Die Engländer haben ihn übrigens auch: Wer schonmal den Londoner Dialekt Cockney gehört hat, dem ist bestimmt schonmal aufgefallen, wie „butter“ zu „bu’er“ und „water“ zu „wa’er“ wird. Schon wieder dieser Glottisverschluss. Er ist auch mit einer der Gründe, weshalb Deutsch von vielen anderssprachigen Ländern (v.a England, USA und Frankreich) als eine so „hart klingende“ Sprache empfunden wird. Wer ständig seine Vokale so abgehackt artikuliert, muss sich auch nicht wundern …

Sobald man ihn einmal rausgehört und -gefiltert hat, kann man den Glottisverschluss auch ganz leicht isoliert bilden und anwenden. Ich find ihn ziemlich fancy, weshalb er auch in meiner Sprache Verwendung gefunden hat.

  • Einige Sprachen, die den Glottisverschluss aufweisen: Deutsch, Englisch (v.a. Cockney), Japanisch (Kagoshima), Tahitisch.

Was sonstige Konsonaten anbelangt, so überlasse ich jedem freie Hand, was er sonst noch in sein Lautinventar einbauen möchte. Grundsätzlich aber empfinden wir Nasale wie /m/ oder /n/ nicht als hart, eher im Gegenteil (s. Lautinventar 1: „Schön“), also sollte man sie höchstens spärlich verwenden oder gleich ganz vermeiden. Frikative wie /f/ oder /s/ kommen hingegen oft in harten Sprachen vor, dabei ist es wichtig zu bemerken, dass es sich meist nur um die stimmlosen Frikative handelt. Tatsächlich gibt es überwiegend stimmlose Laute in Sprachen, die wir als „hart“ empfinden.

Auch was Vokale angeht, ist jedem Conlanger selbst überlassen, wie er oder sie da vorgeht. Persönlich würde ich jedoch überwiegend /o/ und /u/ verwenden und vermutlich sehr wenig /a/. Wie häufig und ob /e/ oder /i/ in der Sprache vorkommen, ist wieder vom Conlanger abhängig. Tolkien z.B. hat im Orkischen bewusst auf den Vokal /e/ verzichtet, aber viele /i/’s gehabt …


Hier geht es weiter mit:
„Conlanging – Den richtigen Ton treffen“

 

2 Gedanken zu “Conlanging – Das Lautinventar entwickeln (Teil 3: „Hart“)

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